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Technik-Frust
Wer mich kennt und|oder hier mitliest weiß, das ich ein (sehr?) technik-affiner Mensch bin - man könnte mich auch als Geek bezeichnen. In den letzten Jahren schiebe ich aber immer mehr Frust über die schöne, neue Technikwelt, wie ja hier schon mehrfach zu lesen war.
Und so möchte ich heute eine Geschichte erzählen über die tollen Möglichkeiten, die digitales Fernsehen so bietet. Holt euch nen Kaffee, lehnt euch zurück, das wird ein laaaaanger Text. :-\
Als Kabelkunde habe ich mich Ende 2007 dazu entschieden, meinen Anschluss auf digitales Kabelfernsehen "umzustellen", zumal der digitale Fernsehgenuss (welch Ironie!) sogar günstiger ist wie die analoge Variante. Wobei es ja keine Umstellung im eigentlichen Sinne ist, das digitale Signal ist ja sowieso vorhanden, es fehlt ja nur der Receiver, um es auch abzugreifen.
Und genau da geht es schon los: Grundverschlüsselung. Die privaten Sender wie RTL, VOX etc. verschlüsseln im Kabel ihre Programme, ich benötige also eine SmartCard zum Entschlüsseln. Und natürlich einen Receiver mit CI-Slot, den ich mit der Karte füttern kann. Oder ich greife zu einem Gerät mit integriertem DVB-C Receiver und CI-Slot (so wie mein 42PFL8404), dann brauch ich aber noch ein CAM (z.B. Alphacrypt) dazu, das abhängig vom Kabelanbieter einen bestimmten Firmware-Stand nicht überschreiten darf.
Wer bis hierhin noch mitkommt und die einzelnen Fachbegriffe nicht nachschlagen musste: Respekt. Du solltest dich bei mir melden, weil es jetzt erst richtig kompliziert wird.
Follow up:
Die von den Kabelnetzbetreibern zur Verfügung gestellten Receiver sind meist die billigsten am Markt erhältlichen Geräte, was sich dann bei Bedienkomfort, Stabilität und Bildqualität negativ bemerkbar macht. Beim Einsatz eines selbstgekauften Receivers leisten die Kabelnetzbetreiber keinerlei Support, in diesem Fall sollte man den professionellen Umgang mit google und anderen Suchmaschinen gewohnt sein. Ausserdem ist die Mitgliedschaft in ungezählten Foren Pflicht, da man nur dort brauchbare Informationen erhält und zumindest die Hoffnung haben darf, das auf gestellte Fragen auch eine brauchbare Antwort gegeben wird.
Im Idealfall spielen also Receiver bzw. TV-Gerät, CAM und SmartCard ohne Protest zusammen und nachdem der Sendersuchlauf hoffentlich alle Sender gefunden und gespeichert hat, beginnt das -meist umständliche- Sortieren der Sender und das Anlegen von Favoriten(listen). Wer auch dies erfolgreich gemeistert hat, freut sich über die regelmässigen Sendeplatzverschiebungen - erkennt der Receiver|das TV-Gerät eine solche, wirft das in den allermeisten Fällen die Sortierung über den Haufen und der ganze Aufriss beginnt von vorn!
Nun legen wir die Messlatte etwas höher und werfen einen neuen Fachbegriff in die Runde: HDTV
Der Überbegriff (das Unwort?) bei allem, was mit Bildschirmen zu tun hat. HD. HD ready. 1080i. 720p. Und weiter im Text: HDMI und HCP. WTF?
Ja, Fernsehen in HighDefinition ist geil, ARD und ZDF sind seit der Winterolympiade in Vancouver im "HD-Regelsendebetrieb" (im Format 720p, was eigentlich gar kein FullHD ist). Was natürlich ein HD-fähiges TV-Gerät mit passendem, integriertem HD-Receiver oder eben einen passenden externen HD-Receiver erfordert. Die alte Röhre hat hier dann endgültig ausgedient, für HDTV _muss_ ein LCD-TV-Gerät her.
Wobei das Thema HDTV ja auch nur Augenwischerei ist, da die Anzahl der HDTV-Sender sich quasi (im Kabelnetz) noch an einer Hand abzählen lässt. Der Löwenanteil der Sender strahlt sein Programm noch in SDTV, also mit Standard PAL-Auflösung aus, was auf einem LCD-TV für ein nicht sonderlich berauschendes Bild sorgt, Bildoptimierungsverfahren hin oder her.
Und lasst euch nicht von der Werbung täuschen: Es mag Geräte geben, die HDTV via DVB-T empfangen und entschlüsseln können. Damit werben die Hersteller und Händler ja auch in Deutschland. Dumm nur, das in Deutschland via DVB-T kein HDTV-Signal gesendet wird.
Wer sich damit abgefunden hat, eben _nicht_ das bestmögliche Bild zu Gesicht zu bekommen, weil das eingespeiste Signal nur Vorkriegsstandard hat, der wird spätestens bei Klötzchen-|Artefarktebildung wieder auf Fehlersuche gehen und dabei notgedrungen über die Leitungswege stolpern. Wer in einem Mietshaus älteren Baujahrs unterm Dach wohnt, während der Signalverstärker|die Verteileranlage aus dem 50er-Jahren im Keller sitzt, hat dann schlichtweg Pech gehabt und überzeugt entweder den Vermieter, die Anlage zu erneuern oder schaut einfach wieder analog.
Wer -wie ich- das Glück hat, im Eigenheim zu wohnen, hat mehr Möglichkeiten, so war z.B. letztes Wochenende der Elektrobetrieb da, der "damals" die Verteileranlage installiert hat. Ein einfacher Austausch des antiquierten Verstärkers gegen ein aktuelles Modell hat bei gleicher Pegelung die Signalstärke auf den "schwachen" Kanälen in Regionen angehoben, die ein verlustfreies Fernsehvergnügen ermöglichen.
Wobei das noch lange nicht alle Fehlermöglichkeiten sind: Es könnte ja auch an der Dose liegen, die evtl. zu alt, vielleicht aber auch nur schlecht verkabelt ist und deswegen nicht den vollen Frequenzgang bietet. Oder das Kabel in der Wand hat ne Macke weg. Oder...
Nun folgt der nächste logische Schritt: Das Aufzeichnen von digitalen Fernsehinhalten. Wie schön war der Videorekorder, den man einfach mit ner Kassette gefüttert und den Timer eingestellt hat. Aus. Vorbei. So einfach geht es nicht mehr, stattdessen wird einem ein Studium in Elektrotechnik abverlangt, um hier halbwegs auf "einen grünen Zweig" zu kommen.
Aber der Reihe nach: Zum Aufzeichnen muss, wie zum direkten Anschauen auch, das ankommende Signal entschlüsselt werden (entfällt bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten, die sende ja unverschlüsselt - aber wer will von denen was aufnehmen?). Nutzt man sein TV-Gerät direkt und ohne externen Receiver, ist hier schonmal Ende: das dekodierte Signal ist auf keinem Weg wieder digital aus dem Gerät herauszubekommen. Bleibt nur, den Video-|DVD-Rekorder via Scart anzuschliessen und via Line-In-Funktion ein analoges Signal aufnehmen. Prima, 2010....
Nun muss man also zu einem externen Receiver greifen, der entweder intern über eine Festplatte (oder einen DVD-Brenner) verfügt und|oder die Möglichkeit bietet, extern eine Festplatte anzuschliessen, auf der die Aufnahmen dann landen. Damit man aber etwas anderes anschauen wie aufnehmen kann, braucht es einen Twin-Tuner - eine Paralelle z.B. zum Satellitenempfang, wobei dort Aufnehmen und Anschauen unterschiedlicher Programme möglich ist, wenn beide Programme im selben Bouquet liegen.
Die meisten Kabelnetzbetreiber bieten mittlerweile solche Geräte -ja, _MIT_ Twin-Tuner- an - allerdings nicht für lau, so zwischen 5,- und 10,- Euro Monatsmiete werden da schon fällig. Kaufen würde ich den vom Betreiber angebotenen Receiver allerdings auch nicht (s. oben: Qualität der Geräte). Ob nun der selbstgekaufte Twin-Tuner-Receiver mit Festplatten funktioniert, ist wie schon geschrieben, Glückssache. Kann also ein sehr teures Monetengrab werden.
Gesetz dem Fall, der Receiver funktioniert, das Aufzeichnen klappt: was mit den Aufnahmen machen? Auch die grösste Festplatte ist irgendwann mal vollgespielt, also hat man die Wahl, die Aufnahmen entweder zu löschen|zu überschreiben oder zu archivieren. Und auch hier gibt es wieder zig Möglichkeiten und Wege, wie die Daten (wenn überhaupt) aus dem Receiver herauszubekommen sind.
Und wer auch das gemeistert hat, sieht sich beim Abspielen der Aufnahmen evtl. mit asynchronem Bild und Ton konfrontiert. Ja, wirklich. Das ist lt. etlichen Foren "ganz normal" und kann an guten Geräten auch reguliert werden. Sofern man die Einstelloption in den Untiefen des Menüs findet....
Ich breche an dieser Stelle ab, der Text ist sowieso schon viel länger geworden, wie gewollt und es sind längst noch nicht alle Unzulänglichkeiten aufgezählt. Und der Text beleuchtet ja nur _EINE_ alltägliche Situation, mit der man sich auseinandersetzen muss. Wer bis hierher durchgehalten hat, verdient Respekt - immerhin ballen sich hier Infos, die ich im Laufe von 2 1/2 Jahren digitaler Fernsehfreuden zusammengetragen habe. Und nun muss ich los, das ganze meinem Dad|Onkel|Opa erklären - bin in zwei Jahren wieder da. :-\
3 Kommentare
Naja. vielleicht überholt sich die herkömmliche Fernsehtechnik ja bald mal selbst durch das Internet. Dann guckt die Kabelmxfxa ganz schnell selbst in die Röhre.
Trotzdem finde ich es ein starkes Stück, das Astra für all die gesperrten Funktionen auch noch Geld sehen will. Und die Vorspulsperre ist unabhängig vom Receiver, dieses Flag setzt derjenige, der das Programm ausstrahlt.
Im übrigen gehe ich davon aus, das sich auch im Bereich IP-TV an solchen Massregelungen nichts ändern wird. Leider.
Fernsehen auf dem Fernseher habe ich schon länger den Laufpass gegeben (aktuell bin ich zwar ohne Fernseher, aber ich möchte kurz von 2007 erzählen wo ich digitales Kabel in Österreich erhalten habe):
Die erste Karte war komplett unbrauchbar (habe leider den Markennamen vergessen). Das war eine günstige für 90€.
Nachdem ich diese zurückgeschickt und gegen eine österreichische Digital Everywhere ausgetauscht habe (für ca 200€) musste ich feststellen, dass während des Postweges die Grundverschlüsselung (Conax) eingeführt wurde.
Also noch ein CAM für 60€ nachgekauft.
Als Fernsehsoftware für den PC verwende ich den DVBViewer (einmalig 15€, lebenslange Updates). So funktioniert(e) das eigentlich sehr gut. Meine halbwegs regelmäßig geschauten 20 Fernsehsender habe ich als Favoriten angelegt und Sie via Nummernblock schnell verfügbar gemacht. Änderungen am Sendeplatz werden nicht automatisch erkannt (kamen in den 2.5 Jahren Verwendung aber auch nur 2x vor). Da man mehrere Senderscans gleichzeitig verwenden kann habe ich den neuen Sendeplatz dann einfach in den vorherigen Scan reingezogen, den alten gelöscht und in den Favoriten an der richtigen Stelle eingefügt. Ziemlich geringer Aufwand :-)
Aber ich darf gespannt sein, sobald mein Umzug abgeschlossen ist erwartet mich eine neue TV-Karte (SAT) und bin gespannt ob dies auch so schön wieder laufen wird :-)
Thalon
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